„Das Mysterium der Resonanz – die Macht der Berührung“
Symposium in Berlin vom 8. - 9. November 2025 in Berlin
Die Reihe der Symposien – „Was wirkt eigentlich im Shiatsu?“, „Wie viel Spiritualität braucht Shiatsu?“ und nun „Das Mysterium der Resonanz – die Macht der Berührung“ – war von Beginn an als Experiment angelegt. Die Symposien sollten Raum für Austausch über Shiatsu-Erfahrungen eröffnen, um die Entwicklungen, die Shiatsu hier in Deutschland genommen hat, tiefer zu ergründen und am Ende vielleicht festzustellen, dass sich so etwas wie eine eigene westliche Tradition herausgebildet hat – oder gerade dabei ist, zu entstehen.
Ich habe den Eindruck, dass wir aus den ersten beiden Symposien viel gelernt haben und inzwischen ein stimmiges Format gefunden haben. Zu Beginn gab es Impulsvorträge, die den Austausch anregen sollten und im Nachhinein auf der Website der GSD sowie der Shiatsu Akademie unter www.shiatsu-akademie.de sind. Die jeweiligen Impulsgeberinnen leiteten dazu passende Übungen an, sodass zwischen den Vorträgen vielfältige Erfahrungen gesammelt werden konnten. Weitere Erfahrungseinheiten fanden in Kleingruppen von drei bis vier Personen statt und wurden in passenden Momenten im Plenum geteilt. Insgesamt waren wir zehn Teilnehmer:innen – eine Gruppengröße, die sich als sehr geeignet erwiesen hat, um ein so intensives und bereicherndes Wochenende miteinander zu verbringen.
„Es ist ein guter Anfang für ein weiteres Symposium 2026. Sind wir bereit, gemeinsam weiterzumachen? Wer gibt den Impuls vor? Ich bin dabei.“ So schrieb eine Teilnehmerin im Nachgang des Symposiums.
In diesem Nachklang möchte ich vor allem die Teilnehmer:innen selbst mit ihren berührenden Eindrücken und Reflexionen zu Wort kommen lassen. Eine Rückmeldung lautete: „Es wurde klar: Das Thema ist komplex. Wir näherten uns ihm mit kleinen Übungen und stellten fest, dass Resonanz auf vielen verschiedenen Ebenen stattfindet. Ich konnte plötzlich einen klaren Bezug zu Themen herstellen, die mich gerade privat sehr beschäftigen. Das wurde durch die gemeinsame Suche und das gemeinsame Hinterfragen möglich. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Ja, so erlebe ich es auch: Shiatsu ist nichts von unserem privaten Leben Losgelöstes, sondern eine Praxis, die auf allen Ebenen des Daseins berühren und bereichern kann.
Eine andere Teilnehmerin fasst das Symposium so zusammen: „Was ist Resonanz? Woran zeigt sich Resonanz? Wie unterscheidet sich Resonanz von Übertragung und Gegenübertragung? Welche Faktoren sind förderlich für Resonanz, welche hinderlich? Inwieweit beeinflusst meine innere Ausrichtung das Resonanzfeld? Ist Resonanz rein subjektiv oder lässt es sich an etwas festmachen, belegen? Wie kann ich die Resonanzfähigkeit einer Klientin fördern? Wie fühlt es sich für mich als Behandlerin an, wenn eine Klientin aus dem Kontakt geht? All diese Fragen haben wir im Laufe der zwei Tage in uns bewegt.“
Und wieder eine andere Teilnehmerin schreibt: „Wie verlassen sich ein berührter Körper anfühlen kann, wenn die behandelte Person, in unserer Übung absichtlich, nicht ‚anwesend‘ ist, wie heiß und pochend, geradezu aufdringlich, wenn die Behandlerin ganz mit ihren eigenen, aufwühlenden Themen beschäftigt ist, wie angenehm zusammen fließend, tanzend, wenn die Aufmerksamkeit geteilt sein darf, bei sich selbst und auch bei der anderen Person, wie getragen, gehalten, wenn die Aufmerksamkeit auf das große Ganze ausgedehnt wird.“
Oder: „Besonders berührt hat mich die Übung einer Teilnehmerin: erst mit sich selbst in Resonanz gehen, dann mit verschiedenen Partnern über die Hände, bis sich schließlich Paare mit weiteren Paaren verbinden – und sich die ganze Gruppe wie selbstverständlich im Kreis findet.“
Das Resonanzgeschehen, das schon im ersten Symposium als ein wesentlicher Wirkfaktor ausgemacht wurde, ist fürwahr faszinierend. Am meisten hat mich selbst eine Partnerübung beeindruckt, in der wir eine Stelle am Körper einfach nur mit der ganzen Hand berührt haben mit drei je zweiminütigen unterschiedlichen Ausrichtungen unserer Aufmerksamkeit. Nach jeweils zwei Minuten wurde durch ein Klangzeichen der Wechsel angekündigt ohne dass die „Klient:innen“ wussten, welchen Fokus ihre Behandler:innen gewählt hatten. Als mir dann meine Partnerin im anschließenden Austausch über ihr Erleben berichtete und dieses nahezu eins zu eins meinem jeweiligen Fokus entsprach, wurde mir klar, wie stark und direkt die Einstimmung unseres Geistes wirkt. Daraus entstand natürlich die Frage, wie ich mich während meiner Shiatsu-Behandlungen einstimme.
Eine Teilnehmerin schrieb im Nachklang des Symposiums: „Besonders anregend war für mich das feine Spiel der Unterscheidungen zu erforschen: Was ist der Unterschied zwischen Mitgefühl und Empathie? Mitgefühl statt Mitleid, Empathie im Unterschied zu empathischem Stress, Beobachten versus echtes Wahrnehmen, Geschehenlassen und doch Intention setzen. Diese Differenzierungen sind für mich nicht theoretisch, sondern schenken meiner täglichen Praxis mehr Klarheit und Bewusstheit – und damit auch eine größere Tiefe und Zufriedenheit…
…Vielleicht gerade weil das Symposium komplett non-profit und als Erfahrungsaustausch gedacht war – und eben nicht den Charakter eines Seminars hatte – entstand ein Raum, der für mich persönlich ungewöhnlich dicht, lebendig und sehr verbindend war.“
Ich bin allen Teilnehmer:innen dankbar, dass sie sich so aktiv eingebracht haben, insbesondere den beiden Impulsgeberinnen, Katrin Werner und Barbara Murakami, die das Symposium mit mir zusammen vorbereitet und organisiert haben. Wir haben nicht nur über Resonanz gesprochen, sondern auch miteinander resoniert, uns gegenseitig ergänzt in einem fruchtbaren Miteinander.
In diesem Zusammenhang muss ich am Schluss noch über eine Begebenheit berichten: Katrin, Barbara und ich trafen uns in einem Online-Meeting zur Vorbereitung des Symposiums und kamen an das Thema, ob in dem Resonanzgeschehen im Shiatsu nicht auch Gefahren stecken könnten, wenn man nämlich disharmonische Schwingungen der Klient:innen aufnimmt, die man dann anschließend mit sich herumträgt. Genau da klingelte bei mir das Telefon. Ich nahm kurz ab, um der mir unbekannten Anruferin zu sagen, dass ich sie nach der Sitzung zurückrufen würde. Als ich das dann tat, schilderte sie mir, dass sie als hochsensibler Mensch in ihrer Arbeit als Coach oft Stimmungen und Energien aufnehme, die ihr nicht gut tun würden. Ihre Frage war, ob ich ihr bei diesem Problem helfen könne. In den ganzen 45 Jahren meiner beruflichen Tätigkeit mit Shiatsu hat niemand mit dieser Frage angerufen – in solchen Momenten blitzt eine Welt auf, in der Alle mit Allen und Alles mit Allem in Resonanz steht.
Beginnen Verbindungen und Beziehungen, auch die von Shiatsu-Praktiker:innen zu ihren Klient:innen, nicht schon lange bevor man sich persönlich kennenlernt? Wie können wir dazu beitragen, dass nicht wir finden müssen, sondern dass „es sich findet“? Noch jetzt, Wochen nach dem Symposium, wo ich diesen Bericht schreibe, inspirieren mich die ausgetauschten Erfahrungen und die daraus entstandenen Fragen.
Die schriftlichen Berichte der Teilnehmerinnen, die uns nach dem Symposium zugesandt wurden, sind vollständig auf der Website der Shiatsu Akademie nachzulesen.
